Loschwitzer Friedhof

Friedhof der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz

Grabmal im Fokus

Grabstelle Höhne – Grabmalgestaltung von Selmar Werner

Press

Die Grabstelle der Familie Höhne befindet sich im neuen Teil des Loschwitzer Friedhofs, an der östlichen Mittelmauer. Sie wurde 1921 mit der Bestattung von Pauline Klara Höhne geb. Maßdorf (1872 – 1921), der ersten Ehefrau von Karl Höhne, erworben. Karl Höhne, Wirt der berühmten Bärenschenke im Herzen der Stadt Dresden, wohnte am Loschwitzer Elbhang. Seine markante Villa in der Kügelgenstraße 12 wurde 1912 von Oswin Hempel (1876 – 1965) für Karl Höhne und seine Familie erbaut. Im Keller des Hauses befand sich bis 1945 ein Billard-Salon mit Ausmalungen von Paul Rößner, welcher z.B. auch den Ratsweinkeller Dresden ausgemalt oder Farbglasfenster z.B. in der Versöhnungskirche Dresden-Striesen geschaffen hat. Die Ausstattung des Billard-Salons wurde ca. 1993 dem Stadtmuseum geschenkt und die Malereien gesichert und abgedeckt.

Die Bärenschenke, einst das größte Gasthaus in Dresden, befand sich in der Nähe des Altmarktes. In ihren 10 Sälen konnten bis zu 1200 Menschen Platz finden, für deren Versorgung das eigene Gut „Bärenklause“ zur Verfügung stand. Die Bärenschenke wurde 1924/25 ebenfalls von Oswin Hempel im altdeutschen Stil erweitert, ausgestattet mit einer damals hochmodernen Dampf-Koch-Küche, einer eigenen Schlachterei und einem Kühlhaus, einer Hausbrauerei und dem Angebot exotischer Spezialitäten (z.B. Bärenfleisch – 1917 sogar Elefantenfleisch). Sie war Treffpunkt für viele Dresdner und ihre Gäste. Im Bombenhagel 1945 fiel auch dieses Lokal in Schutt und Asche. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde es von Karl Höhne und nach dessen Tod 1931 von seinen Söhnen geführt.

Karl Höhnes Familie besaß das Rittergut Bärenklause (slawische Siedlung zwischen Lockwitz und Kreischa). Man ließ als Ortssymbol eine mannshohe Bärenfigur (geschaffen von Otto Pilz) im Park des Gutes aufstellen. Sie ist noch heute dort zu besichtigen. Eine Zweit-Bärenfigur befand sich vor der Dresdner Gaststätte, deren Eigentümer Karl Höhne seit 1900 war.

Das Grabmal der Familie Höhne ist ein Juwel auf dem Loschwitzer Friedhof. Es wurde geschaffen von Selmar Werner (12.12.1864 – 19.08.1953), einem bedeutenden Bildhauer, Maler, Grafiker und Medailleur, dessen Signatur sich im Aufsatz unter dem linken Arm der Frau befindet.

Wir begegnen seiner Handschrift noch an vielen Orten in der Stadt Dresden, so z.B. am Schillerdenkmal am Albertplatz, der Gruppe am Brunnen des Ehrenhofes an der Versöhnungskirche, der Kreuzigungsgruppe an der Ruine der alten Zionskirche, den Trägerfiguren am Sächsischen Oberlandesgericht nahe der Hofkirche oder dem Karl-May-Grabmal in Radebeul.

Selmar Werner, geboren in Thiemendorf in der Nähe von Gera, erlernte zuerst den Beruf eines Tischlers, später dazu den eines Holzschnitzers. Seine besondere Begabung erkennend, wurde er an die Königliche Akademie in Dresden empfohlen. Dort lernte er seinen späteren Studienfreund Ernst Barlach kennen. Er studierte u.a. bei Robert Diez und war befreundet mit Karl May, Wilhelm Kreis, Hans Unger, Richard Müller und Sascha Schneider. Ab 1906 unterrichtete Werner an der Dresdner Akademie, die ihn 1907 zum Professor berief. Schaffensreiche Jahrzehnte lehrte und arbeitete er in Dresden. Die sinnlose Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg erschütterten ihn zutiefst. Auch sein Atelier auf der Fürstenstraße (heute Fetscherstraße) wurde Opfer des Bombenhagels. Viele Jahre wohnte Werner in Graupa, vor den Toren Dresdens, wo er durch den Anbau von Gemüse und die Haltung von Tieren sich und seine Familie selbst versorgen konnte. Selmar Werner starb 1953 und wurde im Grab seiner Eltern in Gera beigesetzt. Das Grabmal der Familie Höhne stellt ein Tor dar, das von einem bogenförmigen Aufsatz, gekrönt von einem Kreuz, abgeschlossen wird. Die Säulen links und rechts sind mit floralem Zierwerk versehen. In der Mitte des Tores steht die ursprüngliche Schrifttafel, die die erste Bestattung 1921 und alle weiteren Bestattungen dokumentiert.

Im Aufsatz befindet sich die Reliefdarstellung einer ruhenden weiblichen Gestalt, die sich auf einen ihrer Unterarme stützt. Darüber schwebt ein Engel, unter dem der Spruch: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen“ (Matthäus 5,8) steht. Großer Frieden geht von diesem in damals modernen Art deco Stil gestalteten Denkmal aus. Mit Hilfe dieser bildnerischen Gestaltung sollte den Hinterbliebenen der tröstliche Gedanke vermittelt werden, dass die mit 49 Jahren verstorbene Ehefrau und Mutter dreier Söhne bei Gott im Frieden sein darf.
Ergänzt wurde die Grabstätte durch einen ursprünglich nicht vorhandenen Grabstein (links daneben) für Erwin Höhne.

Diese Grabstelle kann in Grabpatenschaft übernommen oder auch für Bestattungen neu vergeben werden (4 Grablager, nur Urnenbeisetzungen möglich)


Mechthild Glöckner

Quellen:
„Selmar Werner“, Broschüre von Städt. Kunstsammlung Freital, Rolf Günther, 1995 Archiv, Eberhard Münzner Internet, Google: wikipedia;
Loschwitzer Ortschronik; www.kreischa.de Fachliche Beratung: Matthias Geisler Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Friedhof Loschwitz (Sachgesamtheit)




Ein skulpturaler Schatz auf dem Loschwitzer Friedhof – die vom Bildhauer Friedrich Press gestalten Grabmale

Press


Zu den wichtigsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts, die in Dresden – und im speziellen Falle v.a. in Loschwitz – lebten, zählt der am 7. September 1904 in Ascheberg/Westfalen geborene Friedrich Press.

Dr. Christian Rietschel schreibt in dem 1975 in der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin erschienenen Buch „Auftrag und Anliegen“ im Beitrag über Friedrich Press: „...(seine) Kunst... ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Sie ist nicht eingängig, sie zwingt zum Nachdenken, zum Nachvollzug. Immer ist es eine Aktion, ein Vorgang, auf den diese Kunst hinweist, und sei es der des Leidens, der Passion, nie ein Zustand, ein Stillstand. Wie ein kurzer Anruf stellt sie den Betrachter vor die Entscheidung, sich hineinzuversetzen in das, was sie andeutet, es nachzuvollziehen. Diese Kunst steht deshalb einem noch unartikulierten Urlaut näher als verständlicher Rede. Sie ruft zur Bewegung aus der Trägheit des Gewohnten, zur Empfindung, zum Engagement.“

Nach einer Holz- und Steinbildhauerlehre studierte er nach einigen kleinen Zwischenstationen von 1927 – 1931 an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden bei Georg Wrba (1872 – 1939). Nach kurzer Unterbrechung seit 1934 wieder in Dresden, folgten zwischen 1940 und 1946 Kriegsdienst und Gefangenschaft. Seit 1954 lebte und arbeitete er auf der Robert-Diez-Straße (sic!) 1 in Loschwitz. Am 5. Februar 1990 vollendete sich hier sein irdisches Dasein.

Friedrich Press hinterließ ein fulminantes künstlerisches Gesamtwerk, von dem ein kleiner Ausschnitt zur Zeit in einer beeindruckenden Ausstellung noch bis zum 18. November unter dem Titel „Friedrich Press / Geistige Zeichen setzen / Skulpturen und Zeichnungen“ im Foyer der Dreikönigskirche zu sehen ist.

In Dresden sind besonders die Pieta in der Katholischen Hofkirche und die Altarraumgestaltung „Die zwölf Tore Jerusalems“ in der Katholischen Kirche St. Josef in Pieschen von herausragender Bedeutung.

Weniger bekannt ist, dass Press auch den Gedenkobelisk auf dem Sowjetischen Garnisonsfriedhof auf der Marienallee geschaffen hat. Durchaus noch diesem Realismus verpflichtet, schuf er sein erstes Grabmal auf dem Loschwitzer Friedhof für den Uhrmacher Paul Pleissner, der im Bombenhagel des Februar 1945 sein Geschäft im Dresdner Stadtzentrum verlor. Über dieses Grabmal wird zu entsprechender Zeit ein eigener Beitrag folgen. Ganz im Sinne der oben erwähnten künstlerischen (ja fast schon radikalen) Reduktion auf das Wesentliche sind die Grabmale für den Maler und Grafiker Hans Jüchser (1894 – 1977) und den Maler und Grafiker Prof. Hans-Theo Richter (1902 – 1969) – und ihre Familien – gestaltet.

Auf seinem eigenen Grab (und dem seiner Frau, der Werkkünstlerin Elfriede Press /1909 - 1998) steht die Plastik „Der verklärte Christus“ aus dem Jahre 1970/71. Auch hier ist die architektonische Gesamtgestaltung durch eine gesonderte Sandsteinrückwand bemerkenswert. Eins der frühen und typischen radikal reduzierten Werke ist das Christus-Grabmal für Schermanski.


Christian Mögel


Pleissner
Pleissner Grabmal Uhrmacher Paul Pleissner, der im Bombenhagel des Februar 1945 sein Geschäft im Dresdner Stadtzentrum verlor